Coromandel Peninsula und Waitomo Caves

24.05. – 26.05.2007
Nachdem der gestrige Tag recht verregnet war, starteten wir an diesem hoffnungsfroh zu unserer Tour um die Coromandel Halbinsel. Es ging zunaechst auf kurvenreicher Strecke direkt am Meer entlang. Das Wasser lag glatt wie ein Spiegel in der Bucht und die anfangs noch tief haengenden Wolken loesten sich gluecklicherweise schnell auf und es sollte ein schoener Tag werden. Die Fahrt ging durch kleine Siedlungen, deren Einwohner heute mehr Geld im Tourismus als im Fischfang machen. Kurz vor Coromandel Town bogen wir ins Inselinnere ab, um zur Ostkueste der Halbinsel zu fahren. Ab hier wurde es huegelig, denn wir mussten die Coromandel Ranges queren. Hier wurde vor wenigen Jahren begonnen, was die Siedlervaeter einst vergessen haben. Tausende und Abertausende von winzigen Kauri-Baeumen wurden in den letzten Jahren entlang der kahlen Berghaenge gepflanzt. Schade ist, dass es jahrzehnte oder gar jahrhunderte dauern wird, bevor man das Ergebnis dieser Bemuehungen sehen kann. Leider wird auch dieser Tage noch mehr Busch und Wald vernichtet, als nachgepflanzt wird. Den Platz von ausgedehnten Kauriwaeldern auf der Coromandel Peninsula haben heute entweder Weide- oder Buschland eingenommen. Trotzdem ist es erstaunlich zu sehen, wie schnell sich Natur regeniert, wenn man sie denn laesst. Entlang des kurvigen Passes zur Ostkueste findet sich ausgedehnter Busch, der von Farnen dominiert wird. Entlang der Ostkueste verlaeuft die Strasse zumeist inlands. Weiter suedwaerts fahrend bogen wir in einem kleinen Ort namens Whenuakite zum Hot Water Beach und zur Cathedral Cove ab. Am Hot Water Beach kann man sich bei Ebbe direkt am Strand sein eigenes Heiss-Wasser-Basin graben. Unterirdische heisse Quellen speisen den selbst gegrabenen Pool mit warmen Wasser. Leider kamen wir bei Flut und so wurde es nichts aus dem Badevergnuegen. Nach einem kurzen Strandspaziergang fuhren wir weiter nach Hahei. Unweit des kleinen Oertchens fuehrt ein kurzer 45-minuetiger Weg zu einer Kliff-Formation, die ihres majestaetischen Aussehens wegen als Cathedral Cove bezeichnet wird. Ein gewaltiger Felsbogen, der vom Strand bis ins Meer reicht, bildet eine eindrucksvolle Bruecke, unter der man nur bei Ebbe trockenen Fusses hindurch kommt. Auf der anderen Seite fesseln weitere Felsen, die verloren den Wellen trotzen, das Auge und lassen Erinnerungen an Australiens „Zwoelf Apostel“ wach werden. Der Weg zurueck war um einiges anstrengender, denn jetzt ging es die ganze Zeit bergauf. Die Fahrt ging weiter ueber Taitura und schliesslich kreutzten wir die Coromandel Ranges ein weiteres Mal, um zurueck nach Thames zu gelangen. Fuer den Abend kauften wir uns erstmals Lammkotelett, das uns vorzueglich schmeckte – es ist also nicht umsonst gestorben :-)
Am naechsten Tag fuhren wir weiter ueber Paeroa und Te Aroha nach Matamata. Matamata ist den meisten Herr der Ringe Fans eher als Hobbingen bekannt. Dieses Image, das das kleine Staedtchen dem Film verdankt, wird hier natuerlich gnadenlos vermarktet. Hatten wir noch anfangs mit dem Gedanken gespielt, uns den Drehort von Hobbingen anzuschauen, mussten wir bald feststellen, dass hier alles seinen Preis hat – in diesem Fall ein fuer uns zu hoher. Um fuer ein fast vollstaendig abgebautes Filmset 50 Dollar pro Person zu bezahlen, muss man schon ein wirklich eingefleischter Fan sein. Das Set befindet sich etwa 10 Kilometer ausserhalb Matamatas auf einer abgelegenen Schaffarm. Es gibt nur eine Zufahrtstrasse auf die Farm, die waehrend der Dreharbeiten zunaechst vom Neuseelaendischen Militaer praepariert wurde. Ja, wir sind natuerlich zur Farm hingefahren – aber leider war der Preis immer noch bei 50 Dollar und dabei waren wir ihnen schon 10 km entgegen gekommen. Es hat sich aber dennoch gelohnt, denn hier waren eine ganze Reihe Fotos vom Dreh ausgestellt - wirklich sehenswert. Es ging weiter ueber Cambridge, das beruehmt fuer seine Rennpferde ist. Hamilton, mit ueber 100000 Einwohnern die groesste Inland-Stadt Neuseelands, passierten wir lediglich, um schliesslich einen Abstecher zum verschlafenen Westkuestenstaedtchen Raglan zu machen. Von hier fuhren wir weiter nach Otorohanga, wo wir die Nacht verbrachten. Am naechsten Morgen gings zu den nahe gelegenen Waitomo Caves, wo wir eine Hoehlentour mitmachen wollten. Da wir noch etwas Zeit hatten, machten wir einen Abstecher in einen Wollschuppen. Entgegen unserer Erwartung wurden hier aber keine Schafe, sondern Kaninchen geschoren. Deutsche Angora-Kaninchen um genau zu sein, bei denen man schwer sagen konnte, wo vorn und hinten ist. Auf einer Art Streckbank wurden die Wollknaeule publikumswirksam mit einer handelsueblichen Schafschermaschine von ihrem Haar befreit. Uns wurde versichert, dass die Schur fuer die Tiere lebensnotwendig ist, da sie sonst ueberhitzen – wir waren trotzdem skeptisch. Ein Hase ergibt schliesslich einen Pullover der Groesse L. Die Angorawolle wird jedoch noch mit Schafwolle gemischt, da ein Kleidungsstueck aus reinem Angorahaar einfach zu warm sein wuerde. Franziska erstand schliesslich ein paar Handschuhe aus einem Mix von Schaf- und Possumhaar – sehr kuschelig. Wenig spaeter startete dann unsere Tour zum Waitomo Hoehlenkomplex, der mehr als 300 einzelne Kalksteinhoehlen beinhaltet. Die Ruakuri-Hoehle, die wir besichtigten, wurde erst vor wenigen Jahren wieder eroeffnet, nachdem Teile zuvor vom ueberirdischen Landbesitzer gesperrt waren. Spiralfoermig windet sich ein rot beleuchteter Steg langsam nach unten und endet schliesslich an einer Luftschleuse, die einen konstanten Luftstrom im Hoehleninneren sicher stellen soll. Der Weg innerhalb der Hoehle fuehrt zunaechst an einigen witzigen Tropfsteinformationen vorbei, die wie Blumenkohl aussehen. Extrem zerbrechlich wirkende Stalagtiten haengen neben gewaltigen Formationen, die an zu Stein gewordene Vorhaenge erinnern. Der schmale Gang geht schliesslich in riesige Raeume ueber, die den eigentlichen Reiz dieser Hoehle ausmacht. Wer wie wir aussergewoehnliche Tropsteinformationen erwartet, wird enttaeuscht sein – da finden sich in Europa sehr viel reizvollere. Die Ruakuri-Hoehle besticht vielmehr durch schiere Groesse und seine winzigen gruen leuchtenden Einwohner. Gluehwuermer finden sich zu Hauf an den Decken und warten auf Beute. Ihr gruener Leuchtstoff lockt Insekten an, die sich dann in wie Lametta nach unten haengenden Faeden verfangen. Nach zwei Stunden war die Tour zu Ende und wir sahen wieder Tageslicht. Nach einem kurzen Snack ging es wieder Richtung Nordosten nach Rotorua, das im geothermalen Zentrum Neuseelands liegt. Bereits bei unserer Ankuft schlug uns der faulige Geruch von Schwefel ins Gesicht, der von der vulkanischen Aktivitaet der Region zeugt. Wir mieteten uns fuer die naechsten Tage in einem der Hostels im Ort ein, um die Gegend in den naechsten Tagen naeher unter die Lupe zu nehmen.