Queensland Outback - Auf den Spuren der Dinosaurier

26.04. – 03.05.2007
Jetzt sollte also die endgueltig letzte Etappe unserer Australienreise beginnen. Nachdem wir uns am Vortag ein zweites Mal von Ron und Barbara verabschiedet hatten, gings zunaechst wieder Richtung Townsville, wobei wir natuerlich nicht vergassen, uns am Strassenrand noch einmal ordentlich mit guenstigen Bananen einzudecken. Nach einem kurzen Stop in Mission Beach verbrachten wir die Nacht direkt an einem Wasserfall ca. eine Stunde noerdlich von Townsville. Den Morgen des naechsten Tages haetten wir lieber noch im Bett verbringen sollen, denn auf unserer Weiterfahrt nach Townsville hatten wir dann eine Begegnung, die man getrost unter der Rubrik „unliebsame Reiseerfahrung“ verbuchen kann.
Kurz vor dem kleinen Provinzstaedtchen Ingham machten wir an einem Aussichtspunkt halt, der den Blick auf eine schoene bergumsaeumte Ebene freigab. Wir haetten die Aussicht noch laenger geniessen sollen, denn von nun an nahm das Unglueck seinen Lauf. Gerade als ich vom Seitenstreifen zurueck auf die Strasse wollte, tauchte hinter mir ein Auto auf, dass ich durch den leichten Anstieg des Highways erst sehr spaet sehen konnte. Die gute Nachricht zuerst: Es ist nichts passiert. Der Fahrer hupte zwar, hatte aber noch mehr als genuegend Zeit abzubremsen. Jetzt die schlechte Nachricht: Das Auto hatte auf dem Dach ein rotes und ein blaues Licht – ein Polizeiwagen. Was fuer ein Timing! Kurz darauf konnten wir dann auch sehen, dass beide Lichter funktionierten, als uns der Officer zum Anhalten aufforderte. Die Prozedur ist aehnlich der in Deutschland: Vergehen erlaeutern, Fuehrerschein fordern, Knoellchen schreiben. Knoellchen? Ja Knoellchen! Obwohl ich mir keiner Schuld bewusst war, da ich ihn trotz Spiegel- und Schulterblick nicht gesehen und ihm das auch so erklaert habe, liess er sich nicht davon abbringen, seinen Strafzettelblock zu zuecken. Eine simple Ermahnung waere ja auch zu einfach gewesen. Wir bekamen also fuer ein Nichtbeachten der Vorfahrt eine Strafe ueber 225,- Dollar aufgebrummt. Mir blieb die Spucke weg und wir wollten das mit Sicherheit nicht auf uns sitzen lassen.
In Ingham sind wir dann wuetend ins Polizeirevier eingefallen, um uns zu beschweren. Wir haben dann sofort eine Konsultation mit einem Beamten vom Innendienst bekommen, die ein mehr als unerwartetes Ende fand. Wir schilderten zunaechst den Sachverhalt und erklaerten, dass wir uns sicher seien, dass der Streifenbeamte schneller als die an dieser Stelle zulaessigen 60 km/h unterwegs war - beweisen konnten wir das freilich nicht. Es stellte sich schnell heraus, dass der Kollege nicht aus Ingham war, sondern aus Townsville kam. Was machte der Typ soweit ausserhalb seines Reviers? Unser Ingham-Polizist fragte uns, wie lange wir noch in Australien seien und als wir ihm erklaerten, dass wir das Land in vier Wochen verlassen wuerden sagte er doch tatsaechlich, dass wir die Strafe nicht bezahlen muessen. Zuerst dachte ich, ich haette mich verhoert und fragte zur Sicherheit nochmal nach. Wenn wir uns dann besser fuehlen koennen wir auch bezahlen, es aber ansonsten sein lassen, da man uns eh nicht belangen kann – auch nicht, wenn wir wieder nach Australien einreisen, da es sich nur um ein Verkehrsvergehen, nicht aber um eine Straftat handelt. Willkommen in Australien!
Nach diesem kleinen morgentlichen Abenteuer ging es wie geplant weiter nach Townsville, wo wir hofften, noch einen Service fuer unser Auto zu bekommen bevor wir ins Outback aufbrechen wuerden. Diesmal hatten wir ausgesprochenes Glueck. Gleich bei der ersten Werkstatt bekamen wir sofort einen Termin und konnten das Auto zwei Stunden spaeter komplett gewartet und frisch abgeschmiert abholen und bekamen einen sehr guten Zustand bescheinigt (also zumindest unser Pajero:-).
Die Nacht verbrachten wir noch in der Naehe von Townsville, bevor wir am naechsten Tag auf den Flinders Highway Richtung Charters Towers einbogen. Mit jedem Kilometer, den wir weiter landeinwaerts kamen wurde es trockener und die Vegetation spaerlicher und ging schliesslich komplett in Savannenlandschaft ueber, die von Graesern und Bueschen dominiert wurde. Flache Huegelketten bildeten eine wundervolle Kulisse. Nach kurzer Fahrt erreichten wir Charters Towers, die als Goldgraeberstadt Ruhm erlangt hat. Auch heute ist dieser Stadt noch der alte Glanz anzusehen, nur dass es dieser Tage die Touristen sind, die die Dukaten bringen. Nach kurzem Stop ging es auf dem Overlanders Way weiter durch kleine Orte wie Pentland und Torrens Creek, wobei wir den White Mountains NP passierten, der von weissen Sandsteinformationen dominiert wird. In Hughenden bogen wir vom Highway ab, um zum Porcupine Gorge NP zu fahren. Die rauhe Schotterstrasse genossen wir diesmal in vollen Zuegen – hinter uns eine Fahne aus weissem Staub. Noch am Nachmittag erreichten wir unser Ziel und richteten uns im staubigen Buschcamp fuer die Nacht ein. Unter einem wundervollen Sternenhimmel kochten wir schliesslich unser Abendessen. In der Kuehle des naechsten Morgens stiegen wir zum Fuss der Porcupine-Schlucht hinab. Durch das felsige Flussbett, das einst grosse Wassermassen gesehen hat, kamen wir zu einer Felsformation, die wegen ihres Aussehens als „Pyramide“ bezeichnet wird. Kommt man nach einem grossen Regen (eher selten) hierher, spiegelt sich der rot-braune Sandstein in den Wasserloechern, die im Schatten der Schlucht zu finden sind. Der Wiederaufstieg war um einiges schwieriger, da die Sonne bereits sehr hoch stand. Voellig ausgelaugt erreichten wir schliesslich wieder unseren Ausgangspunkt, von wo aus es zurueck nach Hughenden ging. Hier besuchten wir das oertliche Museum, dessen Hauptattraktion die Nachbildung eines riesigen Dinosauriers ist (unter Verwendung echter Knochen!). Von Hughenden ging es weiter nach Richmond, wo wir wegen des anstehenden Waschtags fuer den Rest des Tages auf dem oertlichen Caravanplatz blieben. Die herrschende Hitze hatte hier selbst das „kalte“ Wasser auf Badewannentemperatur gebracht. Abends wurde es gluecklicherweise wieder kuehl, so dass wir erholsamen Schlaf fanden. Am morgen gings zunaechst in Richmonds beruehmtes Kronosaurus-Museum, welches auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Es ist kaum zu glauben, in welcher Vielzahl und in welch gutem Zustand in dieser Gegend Dinosaurier-Fossilien gefunden werden. Hauptsaechlich sind die Ueberreste von im Wasser lebenden Dinosauriern zu sehen. Das Highlight ist dabei zweifellos das vollstaendig erhaltene Skelett eines Pilosaurus, der wie der Kronosaurus eines Meeresjaeger, aber wesentlich kleiner war. Die ausgestellten Funde sind im Wesentlichen von Farmern auf ihrem Land entdeckt und dem Museum gestiftet worden. Wie man hoert, ist die Fossiliensuche inzwischen ein weit verbreitetes Hobby unter den Farmleuten hier.
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