Great Alpine Road & Canberra
10.02. – 13.02.2007Auf unserer Weiterfahrt Richtung Osten wollte ich zunaechst unbedingt noch einen Abstecher in den Tarra Bulga Nationalpark machen. Dieser liegt auf direktem Wege zwischen Melbourne und der Kleinstadt Bairnsdale, die den suedlichen Startpunkt der Great Alpine Road bildet. Der Tarra Bulga NP lockt mit idyllschen Regenwaeldern und darin eingebetteten kristallklaren Baechen. Was wir nicht erwartet hatten war die Hoehenlage. Einspurig wandt sich die Strasse in bester Serpentinmanier die Berge hinauf. Immer mitten durch den dichter werdenden Regenwald entlang des steilen Abgrundes ging die Fahrt. Belohnt wurden wir im Tarra NP mit schoenen Wasserfaellen, die im dichten Regenwald eingebettet waren. Im Bulga NP entdeckten wir auf dem Weg zu einer moosbewachsenden Haengebruecke zuerst zwei Echidnas, die den Waldboden auf der Suche nach fressbarem umgraben und kurz darauf einen Lyrebird. Dieser einzigartige Vogel, der die Waelder Victorias und New South Wales sein zu Hause nennt, ist fast flugunfaehig - immitiert aber wie kein zweiter andere Tiere, mechanische Geraeusche und seit neuestem auch Handy-Klingeltoene. Wir konnten beobachten wie er mit seinen kraeftigen Fuessen im Laub nach Futter scharrte – er liess sich dabei nicht durch unsere Anwesenheit stoeren. Erst als wir naeher kamen verschwandt er im Unterholz.
Am naechsten Tag gings weiter nach Bairnsdale, von wo wir am darauffolgenden Tag zur Great Alpine Road starten wollten. Der Wetterbericht verhiess fuer diesen Tag nichts Gutes – Regen und Gewittersturm wurden vorausgesagt.
Wir wagten es dennoch und starteten bei bewoelktem Himmel auf den Weg in die Berge Australiens. Schon bald zeigte sich auch wieder die Sonne und das Wetter sollte sich entgegen aller Voraussagungen den ganzen Tag halten. Der erste groessere Ort am Rande des Alpine Nationalparks ist Omeo mit einem eindrucksvollen Blick auf die Berge. Waehrend der Weg bis Omeo noch recht unspektakulaer und eben war, begann sich nun die Strasse kurvenreich und immer steiler werdend nach oben zu winden. Nicht selten wurde grosszuegig auf den Einsatz von Leitplanken verzichtet und Hinweisschilder waren der einzige Schutz vor herabfallendem Fels. Auf einer Hoehe von rund 1500 Metern erreichten wir Dinner Plain – das erste der beiden Haupt-Ski-Resorts in Victoria. Man fuehlt sich in Schweden angekommen, wenn man zwischen den Holz- und Blockhaeusern hier steht. Fotos beweisen eindrucksvoll, was man so nicht glauben wuerde – in Australien gibt’s tatsaechlich Schnee. In Dinner Plain gibt es aber nur einen Kinder- und Idiotenhuegel – zur echten Abfahrt werden die Leute ins nahe Mt Hotham gekarrt. Das kostet dieses Jahr erstmals was (10 Dollar) und dem Vernehmen nach ist die Stammkundschaft darueber etwas vergraetzt. Mt Hotham ist mit fast 1900 Hoehenmetern die Hauptstadt des Skitourismus in Victoria. Unzaehlige Hotels und ebenso unzaehlige Skilifte bieten dem Wintersportler allen Komfort, den er fuer die eher kurze Saison braucht.
Hat man Mt Hotham hinter sich gelassen lohnt sich noch ein Blick auf das schoene Bergpanorama, bevor sich der Weg wieder nach unten windet. Wir hatten gerade die ersten Kurven hinter uns gelassen, als uns ein seltsames Auto entgegen kam. Alle Teile der Karosserie waren mit schwarzem Stoff ueberzogen, an manchen Stellen unterpolstert und die Scheiben komplett schwarz getoent. In diversen Autozeitungen hatte ich schon einmal so etwas gesehen, was mir jedoch erst im Vorbeifahren einfiel. Im Fachdeutsch nennt man das glaub ich einen Erlmeyer, also ein Auto, das noch nicht auf dem Markt ist und noch getestet wird. Die Verkleidung soll vor laestigen Fotografen schuetzen – warum hat man eigentlich nie seine Kamera zur Hand, wenn man sie braucht.
Wir hatten die Great Alpine Road mittlerweile verlassen und waren in nord-oestlicher Richtung unterwegs. Die Fahrt ging wenig spektakulaer weiter, was am ermuedenden Kurveneinerlei lag. Linkskurve – bremsen – Rechtskurve, Linkskurve – bremsen – Rechtskurve ...
Dann doch noch ein Highlight – eine Gruppe von aelteren, kleinen Cabriolets des gleichen Modells hatte sich hinter uns eingereit. Wir liessen sie passieren – deren Kurvenlage war um einiges besser. Im Tal angekommen sahen wir sie noch einmal vor einem Cafe und erkannten das Modell. Dutson stand auf dem Heck – unbedingt merken und nach dem ersten Lottogewinn kaufen!
Die Nacht verbrachten wir auf einem idyllischen Rastplatz an einem Fluss, bevor wir uns am naechsten Tag aufmachten, die Grenze nach New South Wales zu ueberschreiten. Auf dem Alpine Way passierten wir den Kosciousko Nationalpark Richtung Canberra. Den Gedanken noch ein paar Tage in diesem Nationalpark zu bleiben haben wir schnell verworfen – die Tagesgebuehr betraegt im Sommer 16 Dollar. Wir nutzten nur den Transitpass und waren am Ende froh ueber diese Entscheidung, da das Wetter weiter oestlich kommend immer schlechter wurde. Am Morgen unseres Aufbruchs in Victoria hatten wir noch strahlend blauen Himmel und in New South Wales schuettete es jetzt wie aus Eimern. Die Gipfel der Berge waren in das dichte Weiss der Wolken gehuellt und die Sicht war auch unterhalb aeusserst schlecht. Der Alpine Way endete schliesslich in Cooma und der Barthon Highway fuehrte uns auf direktem Wege nach Canberra, wo wir am Nachmittag ankamen. Das Wetter hatte sich inzwischen etwas gebessert und so konnten wir einen ersten Eindruck von Canberra gewinnen. Uns erschien die Stadt vom ersten Moment an irgendwie leer. Koennte am schlechten Wetter gelegen haben oder das es Sonntag war oder aber weil es eben eine Beamtenstadt ist. Es waren jedenfalls kaum Menschen unterwegs und das obwohl gerade ein internationales Musikfestival stattfand. Am naechten Tag erfuhren wir beim Stadtbummel den Grund dafuer, dass man in Canberra hoechstens ein paar Touristen begegnet. Laut einem Verkaeufer mit dem wir uns unterhielten, wurde die Stadt einmal fuer 5 Millionen Leute gebaut – es leben jedoch nur eine halbe Million Menschen hier.
Nach underem kurzen Stadtbummel gings weiter zum Parlamentsgebaeude. Dieses ist oberhalb der Stadt in einen Huegel eingebettet. Von weitem sichtbar ist die riesige Australische Flagge, die ueber einer imposanten Stahlkonstruktion thront. Der Weg ins Innere fuehrt an einem grossem Brunnen vorbei, ueber einen Weg mit rotem Kies, ein paar Stufen hinauf und endet in einer Halle, die von dutzenden Marmorsaeulen dominiert wird. Die nette Frau am Empfang strahlte uebers ganze Gesicht, als sie uns offenbarte, dass wir uns eine „very good time“ fuer unseren Besuch ausgesucht haben – gern geschehen. Nein im ernst wir hatten wirklich Glueck, denn das Repraesentantenhaus hatte an diesem Tag Sitzung und der Premierminister Mr. John Howard persoenlich war an diesem Tag fuer zwei Stunden zugegen. Da in Australien jeder Buerger und jeder Gast als Besucher an einer Sitzung teilnehmen kann, liessen wir uns diese Gelegenheit natuerlich nicht entgehen. Nachdem wir alle Gegenstaende, die zum Fotografieren, Aufzeichnen oder Werfen geeignet gewesen waeren, abgegeben und eine zusaetzliche Sicherheitsschlaeuse passiert hatten, sassen wir keine 10 Meter entfernt von den Abgeordneten und Ministern und lauschten eine Stunde lang dem unterhaltsamen Frage- und Antwortspiel zwischen Opposition und Regierungspartei. Zu vergleichen ist das ganze mit einem Boxkampf inklusive Ringrichter – hier Mister Speaker genannt. Dieser ist fuer die Sitzungsordnung zustaendig, was er auch durch eindrucksvoll gebruellte „Order, Order, Order...“ (zu dt. Ordnung) unter Beweis stellte. Der Ministerpraesident musste sich an diesem Tag staendig fuer seine Aeusserungen gegenueber dem amerikanischen Praesidentschaftskandidaten Obama rechtfertigen. Nach einiger Zeit glitt dann aber die Sitzung in innen- und wirtschaftspolitische Themen ab und wir wollten lieber noch eine Fuehrung durch das Parlament mitmachen.
Diese sollte ebenso unterhaltsam, wie die zuvor erlebte Sitzung werden. So erfuhren wir sehr viele interessante Details zur Architektur des Gebaeudes und zum inneren Aufbau des Repraesentantenhauses und der zweiten politischen Saeule dem Senat. Die Fuehrung koennen wir absolut empfehlen – wir haben es nicht bereut. Danach mussten wir uns beeilen, da wir noch das alte Parlamentsgebaeude besuchen wollten. Dieses liegt in Sichtweite zum aktuellen in nur 500 Metern Entfernung. Das Gebaeude erinnert dem Stil nach an das Weisse Haus in Washington und wurde 50 Jahre lang als Tagungsort genutzt. Es war jedoch von Anfang an als Provisorium vorgesehen. Heute kann sich der Besucher darin ein Bild von der politischen Arbeit der Vergangenheit und der Zukunft machen und es wird zum Teil als Kunstgalerie genutzt.
Nach unserer Stippvisite im alten Parlament haben wir Canberra den Ruecken gekehrt und uns auf den Weg Richtung Ostkueste gemacht, welche wir am naechsten Tag in Batemans Bay erreichen sollten.











