Melbourne

05.02. – 07.02.2007
Folgt man nach dem offiziellen Ende der Great Ocean Road weiter dem Princess Highway, gelangt man ueber Geelong auf direktem Weg nach Melbourne. Wir wollten uns jedoch nicht gleich ins Stadtgetuemmel stuerzen, sondern beschlossen noch einen kleinen Umweg ueber Ballarat zu nehmen. Ballarat ist das Zentrum der alten Goldfelder, denen Melbourne einst Groesse und Bedeutung zu verdanken hatte. Der durch die Entdeckung des Goldes ausgeloeste Goldrausch bewirkte, dass Melbourne zum wichtigsten Zuliefererhafen fuer alle benoetigten Gueter wurde.
Auf dem Weg nach Ballarat machten wir fuer die Nacht in einem Buschcamp in einem Wald halt. Wir waren nicht die einzigen Besucher – zwei Paerchen im mittleren Alter hatten schon ihre Zelte aufgeschlagen. Im Gespraech erfuhren wir, dass sie zu einer Firma gehoerten, die Rennstrecken plant. Sie hatten sich uebers Wochenende im Wald niedergelassen, um das Gebiet zu erkunden und ein „Gefuehl fuer die Umgebung zu bekommen“ (Zitat Ende). Leider haben wir den Namen des Englaenders unter ihnen vergessen – aber er behauptete allen Ernstes der Chauffeur des Fiesslings (gespielt von Gerd Froebe) im Bondstreifen „Goldfinger“ gewesen zu sein. Ich werd das mal ueberpruefen, wenn wir wieder zu Hause sind – aber wie der mit seinem Gelaendewagen durch den Wald gefegt kam zeigte, dass er das Autofahren beherrscht. Mit der Daemmerung stellte sich dann noch ein weiterer Besucher ein. Ein Koala kletterte in sicherer Entfernung auf einen Baum, blieb in schwindelerregender Hoehe sitzen und beobachtete uns. In der Nacht wurden wir dann erst von einem Rascheln geweckt und konnten dann sehen, wie er an einem Baum direkt neben unserem Auto nach oben kraxelte und anfing zu fressen. Am naechten Morgen fand er sich noch immer dort oben und tat das, was Koalas meistens machen – schlafen. Wir mussten den Wald fast fluchtartig verlassen, da uns stechwuetige Bremsen oder Pferdefliegen nachstellten. Auf diese Weise kamen wir wenigstens zeitig in Ballarat an, wo wir auf dem Caravanplatz unser Fruehstueck nachholten. Die historische Bedeutung des Ortes wurde uns erst beim Lesen unseres Infomaterials bewusst. Unweit des Caravanplatzes gab es einst einen Aufstand der Goldgraeber gegen die Willkuer der Obrigkeit fuer eine gerechtere Besteuerung und ein Mitsprache- und Wahlrecht. Auch wenn dieser Eureka-Aufstand blutig niedergeschlagen wurde, gilt er heute bei vielen als Geburtsstunde der Demokratie in Australien.
Ballarat selbst ist mit seinen (fuer australische Verhaeltnisse) alten Gebaeuden durchaus sehenswert. Samstag Nachmittag werden jedoch die Bordsteine hochgeklappt und die Stadt scheint verweist. Eine der Attraktionen, weshalb viele Australier hierher kommen, ist jedoch Sovereign Hill. In dieser Stadt wird das Leben des anfaenglichen 19. Jahrhunderts gezeigt – Gebaeude nach historischer Vorlage und Schauspieler in Kleidung und Handwerk dieser Zeit machen die Illusion perfekt. Wir haben trotzdem darauf verzichtet, da der Eintrittspreis zum einen sehr gepfeffert war und wir am Sonntag weiter Richtung Melbourne wollten.
Noch einmal schlafen vor den Toren der grossen Stadt und wir stuerzten uns in den Berufsverkehr der beginnenden Woche. Melbourne ist sehr geometrisch aufgebaut – mal abgesehen von den ausufernden Vororten, die wir ja schon von Perth und Adelaide kannten. Aber ist man erstmal in der Stadt, ist das Fahren sehr einfach. Das Zentrum ist in rechteckige Bloecke gegliedert, so dass es sehr einfach ist, sich hier zurecht zu finden. Was wir bisher noch nicht kannten war, dass man fuer einzelne Strassen Maut bezahlen muss – also galt es die Wege, die mit TOLL gekennzeichnet waren zu meiden. Wir hatten den Tipp bekommen, suedlich des Yarra-Rivers zu parken, da hier die Parkpreise um einiges niedriger sein sollen. Unweit der Kunstgallerie fanden wir, wonach wir suchten: $1,30 pro Stunde war echt guenstig fuer eine Grossstadt und nur 5 Geh-Minuten von der City entfernt. Der Yarra teilt die Stadt gleich in verschiedener Weise. Er ist nicht nur die Grenze zwischen Stadt und Parklandschaft, sondern auch zwischen den Wohlhabenden und denen der Arbeiterklasse. Waehrend die Arbeiter traditionell noerdlich des Yarras leben, zieht es wohlhabendere Leute eher in die suedlichen Vororte. Ein gefluegeltes Wort in Melbourne ist daher: Der hat es ueber den Fluss geschafft.
Die Vororte spiegeln auch heute noch ihre Einwohner wieder. Cobourg, ein Vorort im Norden wo wir auch naechtigten, ist bunt und voller Leben. Griechische, italienische und tuerkische Restaurants wechseln sich mit Obst- und Gemuesemaerkten und anderen kleinen Laeden ab. Zwischen dichtem Verkehr und Restaurants geniessen die Leute ihren Kaffee und versuchen den Geraeuschpegel der Autos zu uebertrumpfen. Vororte im Sueden wie z.B. Ashburton sind gepraegt von noblen Apartments und noch nobleren Boutiquen.
Den ersten Tag in Melbourne haben wir zum einen zum Shoppen und zum anderen zum Buchen unserer Weiter- und Rueckfluege genutzt. Unsere Fluggesellschaft, die Emirates, hat in Melbourne sogar ihr eigenes Hochhaus. Die Buchung war kinderleicht und wir bekamen Plaetze zu allen von uns gewuenschten Terminen.
Da das Emirates-Haus mitten im Banken- und Geschaeftsviertel der Stadt steht, standen wir beim Verlassen desselben mitten in einem Strom von hochgradig gut angezogenen Menschen, die in Anzug und Kostuem in ihrer Mittagspause auf die zahlreichen Restaurants und Imbisse zusteuerte. Wir suchten dagegen die Shopping-Mall auf, die sich nur zwei Querstrassen weiter befand. Was die moderne Australierin in ihrer Freizeit so traegt, ist wirklich zum Weglachen. Eine 50er Jahre Frisur ist meist von einem Stirnband gekroent, welches man aber selten hinter einer viel zu grossen Sonnenbrille aus den spaet 60er Jahren hervorblinzeln sieht. Das Oberteil variiert zwischen langem Spaghetti-Trager Hemd aus der Umstandsmode oder enger anliegendem Hemd mit Strickjaeckchen aus Kindergartenzeiten kombiniert. Die Hose ist in 99 Prozent der Faelle eine Leggins – meist in 7/8 Laenge. Nach unten wird mit Lackschuehchen oder bunten Stofftretern abgeschlossen – beides auf jeden Fall mit einer riesigen Schleife drauf. Die Laeden haben sich komplett auf diesen Stil eingeschossen und es faellt schwer, was anderes zu finden. Aber OK ich will fair sein, es gibt auch richtig tolle Klamotten in Melbourne – meist mit einem Preisschild im hohen drei bis vierstelligen Bereich verziert.
Nachdem es am Vortag mit dem Einkaufen also nicht so geklappt hatte, wollten wir uns am naechten Tag Melbournes Sehenswuerdigkeiten anschauen. Das Auto hatten wir auf dem Caravanplatz gelassen und uns den oeffentlichen Verkehrsmitteln anvertraut. Ich brauchte zuerst mal wieder einen Friseur, da die Laenge meiner Haare allmaehlich Richtung Spaethippy-Look ging – aber selbst mit ner Leggins waere ich wohl in Melbourne nicht sonderlich aufgefallen. Unweit des Bahnhofs fanden wir einen Friseur der alten Schule – italienischstaemmig mit Karl-Lagerfeld-Gedaechtnis-Zoepfchen. Sehr unterhaltsam und offensichtlich ein Gesangstalent, was zahlreiche Zeitungsausschnitte belegten. Keine 15 Minuten spaeter sah ich wieder aus wie ein Mensch und wir setzten uns in die Circle Tram, eine historische Strassenbahn, und liessen uns von ihr kostenlos durch die Stadt kutschieren. Eine nette Tonbandstimme erzaehlte etwas zu den jeweiligen Highlights, die wir passierten. Danach gings fuer uns mit dem Bus weiter zum Olympia- und Tenniskomplex. Wer jetzt einwirft Olympiade war doch aber 2000 in Sydney hat Recht, aber 1950 war sie schon einmal in Australien und zwar in Melbourne. Wir wollten uns eigentlich die Rod Laver Arena anschauen, in der Roger Federer eine Woche zuvor die Australian Open gewonnen hatte. Leider war die letzte Fuehrung schon vorueber und noch bedauerlicher war, dass sie eh nicht kostenlos gewesen waere.
Die anschliessende Fahrt zum Queen Victoria Markt haetten wir uns auch sparen koennen, da dieser bereits 2 Uhr die Pforten geschlossen hatte. Es klingt unglaublich ist aber wahr – puenktlich 6 Uhr abends schlossen alle Laeden in der Innenstadt. Das Buergersteig-hochklappen funktioniert also nicht nur in der Provinzstadt, sondern auch in einer australischen Metropole wie Melbourne. Den Drang daraufhin die Innenstadt zu verlassen hatten offensichtlich viele, denn unsere Strassenbahn war uebervoll, sodass wir auf die naechste warten mussten.
Am naechten Morgen brachten wir unser Auto in die Werkstatt – die Inspektion war faellig und Oel- und Luftfilter bedurften eines Wechsels. Tony, gebuertiger Italiener und Chef, hatte uns noch mit eingeschoben und nach 2 Stunden war alles erledigt. So fuer die naechste Etappe vorbereitet fuhren wir zunaechst noch fuer einige Stunden in die Innenstadt, um uns dann auf den Weg Richtung Canberra zu machen. Wir wollten dazu den Weg ueber die Berge nehmen – auf der Great Alpine Road.