Bungle Bungle NP

Montag, 02.10.2006
God save the Queen! Heute ist offizieller Feiertag in Australien – der Geburtstag der englischen Koenigin wird begossen. In Westaustralien entgegen den anderen Bundesstaaten immer am letzten Septembermontag. Nun stellen sich zwei Fragen:
Erstens, warum wird der nicht wie ueberall im Juni gefeiert und zweitens, seit wann ist der 2.10. der letzte Montag im September? Wir werden diesen Fragen mal nachgehen. Nichtsdestotrotz hiess es fuer uns heute wieder, zeitig aufbrechen. Schliesslich mussten wir noch ueber 50 Kilometer Schotterpiste im Bungle Bungle NP hinter uns bringen. Die hatten es diesmal wirklich in sich. Ueber Stock und Stein, durch ausgetrocknete Flusslaeufe und kurvenreiche Strecke fuehrte uns unsere erste Etappe. Nach 53 Kilometern erreichten wir das Visitor Center, wo wir uns zunaechst mit Kartenmaterial fuer unsere geplanten Wandertouren eindecken wollten. Zehn Meter vor unserer Ankunft hoerte ich ploetzlich ein Klopfen auf unserem Dach, dem ich jedoch zunaechst keine Beachtung schenkte, da ich davon ausging es sei die Radioantenne. Nachdem wir wieder gestartet waren, hoerte ich es wieder und war mir sicher, dass es etwas anderes sein musste. Sofort hielt ich an, stieg aus und musste mit Entsetzen feststellen, dass ein Vertikaltraeger unseres Roof Racks (Dachgepaecktraeger) gebrochen war. Zufaelligerweise kam auch gerade ein Park Ranger vorbei, der den Schaden begutachtete. Er fand das Ganze im Gegensatz zu uns aber gar nicht so schlimm. Er erzaehlte dann auch, dass am gleichen Morgen ein Paerchen mit einem Motorschaden liegen geblieben war und setzte damit unseren „Dachschaden“ ins richtige Verhaeltnis. Nachdem der Ranger mit uns etwas Gewicht vom Dachtraeger ins Auto gepackt hatte, nahm er uns mit in seine Werkstatt. Hier konnten wir alles benutzen, um den Bruch vorruebergehend zu reparieren – ein Aluminium-Schweissgeraet hatte er leider nicht, sodass wir eine richtige Reparatur erst in Kununurra (etwa 250 Kilometer noerdlich gelegen) machen lassen koennen.
Nachdem wir unsere Notreparatur erledigt hatten, war unser erster Gedanke, sofort nach Kununurra zu fahren. Unser Ranger meinte aber, wir sollten ruhig erst den Park geniessen – ausserdem wuerde heute eh niemand arbeiten, es ist ja schliesslich Feiertag. God save the Queen!
Also sind wir mit zwei Stunden Verspaetung aufgebrochen und sind (vorsichtig) zunaechst in den noerdlichen Teil des Parks gefahren. Entgegen unseren Planungen erreichten wir den Startpunkt unserer ersten Tour somit erst gegen 11 Uhr. Die Hitze war zu dieser Zeit schon fast unertraeglich. Kaum aus dem Auto ausgestiegen schlug uns ein heisser Foenwind entgegen. Wir hatten kein Thermometer dabei, aber laut unseres Infomaterials werden hier zwischen September und Dezember Temperaturen bis 50 Grad Celsius gemessen.
Unser erstes Ziel hiess Mini Palms Gorge – eine Schlucht, in der Palmen ueberdauert haben, da sie durch das Gestein vor Hitze und Feuern geschuetzt werden. Der 2,5 Kilometer lange Weg fuehrte zunaechst durch ein trockenes Flussbett, das schliesslich am Eingang der Schlucht endet. Hier geht es vorueber an Palmen und zwischen, ueber und unter Felsen entlang, die durch Wasser und Wind aus dem sich auftuermenden Fels geloest wurden. Das Laufen wird immer unertraeglicher, da das Gelaende immer schwieriger wird und es kaum Schattenplaetze gibt. Der Gedanke, was man hier eigentlich macht, kommt auf – muss sich jedoch augenblicklich dem Wirken dieser unglaublichen Kulisse ergeben. Links und rechts ragen die creme- und rotfarbenen Flanken der Schlucht auf. Hinter und vor uns stehen Palmen, die auch in schwindelerregender Hoehe im Felsen Fuss fassen. Was muss das erst fuer ein Bild sein, wenn sich waehrend oder kurz nach der Regenzeit Wasserfaelle in die Schlucht ergiessen und alle sich darin befindlichen Baeche und Fluesse mit Wasser fuellen.
Voellig fertig und durchgeschwitzt erreichen wir ueber Treppen und Podeste endlich den eigentlichen Hoehepunkt der Tour: Am Fusse einer Felsformation gleich einem Amphietheater sollen dutzende von kleinen Palmen zu sehen sein. Leider ist es Anfang Oktober und von den meisten Palmen steht kaum mehr als ein kahler Strunk.
Nach einer kurzen Staerkung machten wir uns zu unserer zweiten Tour auf. Diesmal wesentlich kuerzer und groesstenteils im Schatten verlaufend. Der Echidma Chasm Walk fuehrte uns zum Fusse einer 200 Meter tiefen Kluft. Die Waende scheinen sich beim Blick nach oben zu bewegen und der Fels leuchtet in gleissendem Licht.
Die Nacht haben wir dann entgegen unserer Planungen im Nationalpark verbracht, da wir den suedlichen Teil an diesem Tag nicht mehr schaffen konnten.

Dienstag, 03.10.2006
Neuer Rekord! 6:30 Uhr sassen wir startbereit im Auto und es konnte endlich losgehen zu den „echten“ Bungle Bungle Formationen. Zuvor galt es jedoch noch, 15 Kilometer Buckelpiste zu ueberwinden – diesmal gluecklicherweise ohne besondere Vorkommnisse. Eine halbe Stunde spaeter sahen wir sie endlich. Gestreift wie das Fell eines Tiegers strahlten uns die runden Gipfel im Licht der Morgensonne entgegen.
Unsere Trekking Tour fuehrte uns zunaechst an den als Dome bezeichneten Huegeln vorbei. Einem Flussbett folgend, das durch die Kraft des Wassers stark zerklueftet war, gelangten wir zur Cathedral Gorge. In einem imposanten Rund endend, befindet sich in dessen Zentrum ein permanentes Wasserloch, das zum Ende der Trockenzeit zu einem Minimum zusammengeschrupft ist. An den Raendern der Schlucht laesst sich jedoch deutlich ablesen, welche Wassermassen hier zusammenlaufen koennen, wenn sich in der Regenzeit ein grosser Wasserfall in die Schlucht ergiesst. Beim Verlassen der Schlucht war es nicht mal 8 Uhr aber bereits drueckend heiss. Entsprechend anstrengend war dann die nachfolgende Tour entlang der Dome. Schweissdurchnaesst aber gluecklich erreichten wir schliesslich wieder unser Auto, um unsere Weiterfahrt nach Kununurra anzutreten.
Die Strecke aus dem Park erschien uns diesmal endlos lang, weil wir immer das notreparierte Roof Rack im Hinterkopf hatten und jede Flussdurchfahrt extrem langsam machten. So waren wir erst nach 3 Stunden wieder auf dem Highway und erreichten nach weiteren 2,5 Stunden Kununurra.
Mit dem Chef der hiesigen Firma "Kimberley Industries" konnten wir sogar noch fuer den morgigen Tag einen Termin fuer die Reparatur unseres Roof Racks machen – es war scheinbar auch die einzige Firma im Ort, die Aluminium schweissen kann.
Fuer die Nacht haben wir uns in einem noblen Caravan Resort eingemietet, wo wir den Tag im Pool und Whirlpool ausklingen liessen.

Mittwoch, 04.10.2006
Einen Tag nach dem Jahrestag der deutschen Einheit sollte auch bei uns wieder zusammen gefuehrt werden, was zusammen gehoert – also besser gesagt an unserem Roof Rack. Wie vereinbart fuhren wir morgens zu Kimberly Industries, wo wir bereits von Richard, unserem Schweisser, erwartet wurden. Ich war mir auch schnell mit ihm darueber einig, dass das Roof Rack auf Grund unserer Dachlast zusaetzlicher Stabilisierung bedurfte. Weniger als zwei Stunden spaeter war es repariert und so verstaerkt, dass wir uns dass naechste Mal wohl eher die Dachreling abreissen, als das das Roof Rack erneut bricht. Wir waren zufrieden und die Kosten hielten sich in Grenzen. Nach Montage des Racks und dem Verpacken unserer Sachen konnte es endlich weiter Richtung Katherine gehen. Nach einer Stunde Fahrt passierten wir die Grenze zwischen Western Australia und Northern Teritory. Eigentlich hatten wir erwartet, an der Grenze kontrolliert zu werden, da strenge Quarantaenevorschriften gelten. Aus diesem Grund hatten wir gestern und heute noch hastig unser Obst und Gemuese verwertet. Der einzige Kontrollpunkt, den wir sahen, war in Nord-West Richtung – also umsonst 6 Aepfel und 4 Birnen reingezwaengt. Da wir es nicht mehr ganz bis Katherine schafften, naechtigten wir auf einem Campimgplatz im Gregory National Park, wo wir einen lustigen Abend mit einem hollaendischen Paerchen verbrachten. Beide sind seit diesem Jahr stolze Besitzer einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung und wollen hier in Australien Wurzeln schlagen, wofuer sie in Holland Haus und Job aufgegeben haben. Sie haben uns netterweise noch ihre Gemuesevorraete ueberlassen, da sie selbst Richtung Westen unterwegs sind und noch am Kontrollpunkt vorbei mussten – das hat doch mal wieder gepasst :-)